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FASD Südniedersachsen


eine Selbsthilfegruppe von Pflegeeltern, Adoptiveltern
mit Kindern, die von FASD betroffen sind


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Sprechstunden in Einbeck
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FASD – Fetale Alkoholspektrum-Störungen – eine lebenslange Behinderung

Vom Umgang mit jungen Erwachsenen
von Irm Wills

Eine besonders schwierige Zeit im Leben der  Menschen mit FASD beginnt mit einem Abbruch, nämlich dem Verlassen der Familie bzw. der Beendigung  der Jugendhilfe.  Die Volljährigkeit haben sie lange herbeigesehnt. Endlich sind sie frei und können nach ihrem Empfinden ‚nicht mehr gegängelt und bevormundet werden‘. Dass sie ihr Leben lang weiterhin feste Strukturen und eine engmaschige Betreuung brauchen, können sie nicht nachvollziehen.  
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‘Pflege- und Adoptivkinder geben manchmal Rätsel auf’
Artikel in der Einbecker Morgenpost

Bericht von Manuela Pfinder zur FASD-Fachtagung in München 08.-09.10.2010
http://www.fetales-alkoholsyndrom.de/aktuelle_forschung.html

Ärzte Zeitung,

HINTERGRUND

Alkohol ist das schlimmste Gift für Ungeborene:
Für geschädigte Kinder gibt es kaum Therapien

Von Helga Brettschneider

"Die größte Gefahr für die Entwicklung eines ungeborenen Babys liegt heute weder in Medikamenten noch Drogen oder Umweltgiften, sondern im Alkoholkonsum der Mutter." Das betont die Stiftung Kindergesundheit aus München. Nach ihren Angaben kommen in Deutschland pro Jahr etwa 2200 Kinder alkoholgeschädigt zur Welt und damit mehr als doppelt so viele wie Kinder mit Down-Syndrom. Die Stiftung appelliert an Ärzte, Schwangere noch stärker als bisher zu motivieren, auf Alkohol zu verzichten. Denn schon kleinste Mengen Alkohol können Ungeborenen schaden.

Trinken Schwangere Alkohol, riskieren sie Hirnschäden beim Kind.

Den Effekt von geringen Alkoholmengen haben britische Forscher aus Bristol in einer Studie mit über 9000 jungen Müttern und ihren Kindern untersucht. 44 Prozent der Mütter tranken während der Schwangerschaft gar keinen Alkohol, 40 Prozent weniger als ein Glas und 16 Prozent mehr als ein Glas pro Woche. Die im Alter von vier, sieben und neun Jahren nachuntersuchten Kinder wurden auf Verhaltensauffälligkeiten geprüft. Das überraschende Ergebnis: Vor allem viele Mädchen unter den untersuchten Kindern hatten schon bei einem Glas Bier oder Wein in der Woche zwar leichte aber anhaltend negative Folgen in ihrer Entwicklung.

Die meisten Betroffenen sind äußerlich unauffällig
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Trinkende Schwangere - Fötus mit Promille

Christiane Fux

Manche Kinder hängen schon an der Flasche, bevor sie auf die Welt kommen. Wenn Schwangere Alkohol trinken, können Missbildungen und eine gestörte Gehirnentwicklung die Folgen sein. Jedes Glas sei eines zu viel, warnen Experten

Alkohol ist eine schnelle Droge. Die ersten Mikrogramm des anregenden Gebräus gelangen schon über die Mundschleimhaut ins Blut. Minuten nach dem ersten Schluck schlägt der Alkohol im Gehirn der Schwangeren ein. Und ebenso schnell trifft er das ungeborene Kind, denn der Alkohol strömt ungefiltert in den embryonalen Blutkreislauf. Das Ungeborene hat in kurzer Zeit den gleichen Promillewert im Blut wie die Mutter, aber vorbereitet auf den


Giftangriff ist es nicht. Der kleine Körper baut Alkohol viel langsamer ab als der eines Erwachsenen und kämpft noch stundenlang mit seinen Promille. In dieser Zeit gerät die Zellteilung aus dem Takt, sie verlangsamt sich und es schleichen sich Fehler ein. Die Folgen können sich lebenslang auswirken, zum Beispiel in Form des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS, Alkoholembryopathie) - der schwersten Form der alkoholbedingten Schädigung im Mutterleib. Mediziner gehen davon aus, dass es sensible Phasen gibt, in der der Alkohol besonders zerstörerisch wirkt. "Ob Hauptschule oder Gymnasium - darüber kann womöglich ein einziger Rausch entscheiden", warnt Prof. Dr. Renate Bergmann von der Klinik für Geburtsmedizin an der Berliner Charité im Gespräch mit NetDoktor.de.


Hirnzellen im Alkoholnebel

Nach Angaben des aktuellen Drogen- und Suchtberichts kommen in Deutschland rund 4000 Kinder pro Jahr mit dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms zur Welt. Damit ist der Alkoholkonsum der Mutter die häufigste Ursache für eine Verzögerung der geistigen Entwicklung. Das FAS tritt mehr als doppelt so häufig auf wie das Down Syndrom (ca. 1300 Kinder im Jahr). Hinzu kommen weitere 6000 Kinder, die unter sogenannten Fetalen Alkoholeffekten leiden. Sie sind zwar weniger schwer durch Bier, Wein und Schnaps geschädigt, aber auch ihre Defekte sind irreparabel.

Trinkt die werdende Mama in den ersten Monaten der Schwangerschaft - wenn die Organe angelegt werden - viel Alkohol, kommen die Kinder häufig zu klein, mit Missbildungen des Gesichts, des Skeletts und der inneren Organe zur Welt. Auch wenn die Organe nach dem vierten Monat angelegt sind, kann Alkohol noch schlimmste Verheerungen anrichten, beispielsweise in den winzigen Gehirnen, die sich erst bis zum Ende der Schwangerschaft ausdifferenzieren. So haben Kinder trinkender Mütter kleinere Köpfe und Gehirne mit weniger Neuronen. Der Alkohol stört auch die Vernetzung der Gehirnzellen untereinander. Intelligenzminderungen bis hin zur schweren geistigen Behinderungen können die Folge sein.

Schmelzender IQ

Wie viele Babys tatsächlich betroffen sind, ist unklar. Denn oft zeigen sich Entwicklungs- und Verhaltensstörungen erst in späteren Jahren. Zappeligkeit, Konzentrationsstörungen, Intelligenzeinbußen und ein gestörtes Sozialverhalten sind auch bei Kindern zu beobachten, deren Mütter zwar regelmäßig tranken, aber nicht als alkoholkrank eingestuft wurden.

Das gesundheitliche Risiko fürs Kind steigt mit der Menge und der Häufigkeit des mütterlichen Alkoholkonsums steigt. Wo aber liegt die Grenze? "Wir kennen keine kritische Marke, bis zu der Alkohol kein Risiko für das Kind darstellt", sagt Bergmann. Schon der tägliche Konsum von 0,3 Litern Wein lässt den IQ im Schnitt um sieben Punkte schmelzen. Dass auch geringe Mengen Alkohol gefährlich sind, ist vielen Schwangeren nicht klar. Noch immer hält sich die Vorstellung hartnäckig, ein Gläschen könne wohl kaum schaden. Dabei hilft eigentlich nur Abstinenz, wovon werdende Mütter in Deutschland allerdings weit entfernt sind. Einer Umfrage der Berliner Charité zufolge tranken 58 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft.

Kleiner Drink zum Feierabend

Mit mangelnder Bildung und ungenügendem Wissen hat das Trinkverhalten offenbar wenig zu tun: Einer Münchner Studie zufolge konsumieren 2,5-mal so viele schwangere Frauen aus der Oberschicht Alkohol im Vergleich zu werden Mütter aus schwächeren sozialen Schichten. Bei vielen ist es vielleicht nur ein Drink von Zeit zu Zeit, aber insgesamt trinken Frauen heute mehr Alkohol als vor zwanzig Jahren. 30 Prozent der Frauen mit einem hohen sozialen Status geben in der Charité-Studie an, mehr als zehn Gramm Alkohol täglich zu konsumieren. Von den Frauen mit geringem sozioökonomischem Status waren es nur neun Prozent.

Vor allem für gutausgebildete, emanzipierte Frauen gehört der Drink zum Feierabend genauso dazu wie einst das Bierchen für Papa. Und auch der Trend, sich ein Glas Wein zum gepflegten Abendessen zu genehmigen, ist längst aus den südlichen Ländern in Deutschland angekommen. "Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Frauen regelmäßig trinken, bevor sie überhaupt wissen, dass sie schwanger sind", warnt Bergmann.

Männer ohne Rausch

Wer ein Kind plant, sollte schon vorbeugend weniger Alkohol trinken. Das gilt auch für die beteiligten Männer. Denn die Spermienqualität leidet ebenfalls unter der alkoholischen Attacke. "Offenbar kann Alkohol die Aktivität bestimmter Gene in den Samenzellen ungünstig beeinflussen", erklärt Bergmann. Zudem könne Alkohol zu Genmutationen in den Spermien führen und so kranke Embryonen zur Folge haben, vermuten Wissenschaftler. Einer dänischen Studie (1) zufolge haben Frauen, deren Partner sich zehn alkoholische Getränke pro Woche genehmigten, ein fünfmal so großes Risiko für eine Fehlgeburt.

Wenig hilfreich ist auch, wenn sich werdende Väter mit den Worten "Du darfst ja sowieso nichts trinken, Schatz" selbst ein Glas einschenken. Das hat nicht nur etwas mit wünschenswerter Solidarität zu tun. "Wenn der Partner Alkohol konsumiert, steigt vermutlich die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Schwangere trinkt", erklärt Bergmann. Zumindest für rauchende Mütter und Väter hätten Studien einen solchen Effekt belegt.

Warnhinweise geplant

Ein Zeichen gegen den Alkoholkonsum in der Schwangerschaft wollte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, setzen. Sie verkündete schon vor einem Jahr, einen Warnhinweis auf alkoholischen Getränken aller Art anzubringen zu wollen: die fingernagelgroße Silhouette einer schwangeren Frau im roten Kreis mit rotem Querbalken. In Frankreich sind die Piktogramme seit 2007 Vorschrift. Hierzulande sucht man sie noch immer vergebens.

Datum: 09.11.09 Quellen / Redaktion http://www.netdoktor.de/Magazin/Trinkende-Schwangere-Foetus-m-10716.html